
„Gewiß ist STIMMUNG meditative Musik. Die Zeit ist aufgehoben. Man horcht ins Innere des Klanges, ins Innere des harmonischen Spektrums, ins Innere eines Vokales, ins Innere. Feinste Schwebungen – kaum Ausbrüche – alle Sinne sind wach und ruhig. In der Schönheit des Sinnlichen leuchtet die Schönheit des Ewigen.“1So beschrieb Karlheinz Stockhausen seine Komposition selbst. Mit STIMMUNG schuf er 1968 eines der herausragendsten Werke für westlichen Obertongesang.
6 Sänger sitzen zueinander gerichtet im Kreis. Bis auf eine Lampe in der Mitte des Kreises ist der Konzertraum nicht erleuchtet. Zunächst beginnt der Bass sehr leise den Grundton zu singen. Allmählich kommen die anderen Sänger hinzu, bis sich am Schluss ein Akkord, bestehend aus Grundton und dessen Obertönen der Naturtonreihe, etabliert. Dieser Akkord bildet nun - etwa 60 Minuten lang - die musikalische Basis des kompletten Stückes. Fortan ist es die Aufgabe der Sänger, durch gezielt eingesetzte Schwebungen und Variationen, diesen Akkord immer wieder zu verstimmen und schließlich wieder rein zu stimmen. Dafür stehen den Sängern insgesamt 51 sog. Modelle zur Verfügung, welche aus verschiedenen Vokalreihungen des phonetischen Alphabets, vokalreichen Worten oder sog. Magischen Namen bestehen, die Stockhausen auf spielerische Art und Weise von den Sängern miteinander verbinden lässt. In Zeitlupe werden einzelne Vokale und Vokalübergänge artikuliert und so die damit verbundenen Obertöne verstärkt. Es entstehen - für den Zuhörer scheinbar aus dem Nichts kommend - ganze Obertonmelodien, die wie ein Flirren, ohne konkret auszumachende Quelle, über dem von den Sängern durchgehaltenen Akkord schweben.

Gesänge von Verliebtsein und von Liebes-Sehnsucht, die Begegnung mit und das Begleiten in den Tod, Kriegsgeschrei, rassiges Tanzen,
Beschwören der Geister unserer Vorfahren, ein Märchen aus Tönen, und die Verwandlung in einen Vogel, bis letztendlich die beiden Stimmen im Nichts
vergehen und ihr Geist in den Himmel entschwindet.
Es basiert ganz im Sinne der sog. Formelkomposition auf einer 12-tönigen Skala.
Jedem der 12 Einzelstücke, welche Gedichte Süd- und Nord-Amerikanischer Indianer beinhalten, wird ein weiterer Ton der Skala hinzugefügt.


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